Von vertrauten Ufern ins Ungewisse

Nach vielen Jahren des Grübelns und Monaten der Planung und Vorbereitung sitze ich an einem späten Abend im Flugzeug auf der Startbahn in München. Die Kabine ist gedämpft beleuchtet, draußen liegt die Stadt im Dunkel. Der Stress der letzten Tage – in denen alles Schlag auf Schlag ging, jede Entscheidung sitzen musste – hängt noch schwer in meinen Gliedern. Die Abschiede, die Umarmungen, die letzten Blicke – sie wirken nach. Es war zu viel, zu endgültig.

Ich nippe an meinem Sekt. Der erste Moment, in dem ich nichts mehr tun kann, nichts mehr entscheiden muss. Nur sitzen, atmen, warten. Versuchen loszulassen – das, was „Zuhause“ war, was „Heimat“ bedeutete. Worte, die plötzlich ihre Bedeutung verloren haben.

Viele Gedanken schwirren mir durch den Kopf – ungeordnet, wirr, wie aufgescheuchte Vögel. In meinem inneren Bild sehe ich mich an einer Liane hängend, schwingend von einem vertrauten Ufer ins Ungewisse. Unter mir tost der Fluss – wild, dunkel, träge. Und vor mir? Nur Nebel. Nur Wolken. Kein rettendes Ufer, kein klares Ziel. Nur das Gefühl, dass ich bereits losgelassen habe, und dass es kein Zurück gibt. Ich bin in der Schwebe – zwischen dem, was war, und dem, was erst noch Form annehmen muss.

Jetzt liegen 15 Stunden Flug vor mir. Fünfzehn Stunden des Nichtstuns, des Wartens, des Übergangs. Und irgendwo dahinter – jenseits der Zeit, jenseits des Nebels – beginnt ein neues,  noch unsichtbares Kapitel.




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