Michelle & Kanghee: Ein Versprechen für die Ewigkeit
Nach nur einer Nacht im neuen Haus zieht es uns schon wieder ins Hotel – diesmal nach Kuala Lumpur. Anlass ist die Hochzeit der Tochter einer Cousine.
In Malaysia findet eine Hochzeitsfeier meist als großes Gala-Dinner mit hunderten Gästen statt. Das Brautpaar ist chinesisch-koreanischer Herkunft und feiert gleich zweimal: einmal in Korea für die koreanische Familie und ein zweites Mal hier mit den malaysischen Angehörigen. Wir haben uns in einem Hotel direkt neben dem Restaurant einquartiert, sodass wir bequem zu Fuß hinübergehen können. Beginn ist um 18:30 Uhr, doch bereits eine halbe Stunde vorher treffen zahlreiche Gäste ein. Wie so oft bieten Hochzeiten und Beerdigungen eine willkommene Gelegenheit, Verwandte wiederzusehen, die man sonst selten trifft.
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| Das Brautpaar in der Mitte |
Das Restaurant befindet sich in einem Geschäfts- und Einkaufskomplex, wodurch die Begrüßung der Gäste unkompliziert und wetterunabhängig im Freien stattfinden kann. Unauffällig an der Seite steht ein kleiner Tisch, an dem man bei einem Vertrauten des Brautpaars diskret den obligatorischen Briefumschlag abgibt – eine überaus praktische Lösung: Wir ersparen uns die Grübelei über ein passendes Geschenk, und das Paar kann sich genau das kaufen, was es möchte.
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| Ein Spanferkel zur Begrüßung - könnte schlimmer sein |
Zur Begrüßung gibt es Spanferkel und einen ausgezeichneten australischen Sauvignon Blanc. Nach drei Monaten Abstinenz vom Wein genieße ich diese Abwechslung sehr – wenn auch etwas zögerlich, denn als einer der wenigen „Rothaarigen“ (so nennen Chinesen Europäer oder Amerikaner) steche ich heraus. Die meisten anwesenden Chinesen trinken keinen Alkohol, doch die wenigen koreanischen Gäste lassen mich nicht allein mit dem edlen Tropfen.
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| Der Tee ist serviert. In den roten Paketen sind süße Überraschungen für den Weg nach Hause. |
Nachdem das Spanferkel verzehrt ist, geht es ins Restaurant. Für unseren Familienzweig sind drei von insgesamt elf Zehnertischen reserviert. Dann nimmt das Fest seinen Lauf: Tee wird serviert, und anschließend folgt Gang auf Gang. Acht Gänge insgesamt – nicht in minimalistischer Nouvelle-Cuisine-Manier, sondern in großzügigen Schüsseln und Platten, von denen man sich satt bedienen kann. Glücklicherweise wird nicht nur Tee, sondern auch Wein reichlich nachgeschenkt.
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| Die Menükarte des Abends. |
Während wir essen, erfüllen Brautpaar und Eltern ihre Pflicht, indem sie von Tisch zu Tisch gehen und die Gäste begrüßen. Die Mutter des Bräutigams ist eine ausgebildete Soprano-Sängerin – was erklärt, warum die ganze Familie musikalisch ist und dies sehr eindrucksvoll mit einer live-Performance von modernen koreanischen Popsongs unter Beweis stellt. Das alles in Karaoke-Stil, aber mit wirklich guten Sängern. Die Stimmung steigt merklich.
Nach rund drei Stunden ist die Grenze des Möglichen erreicht. Der letzte Gang bleibt weitgehend unangetastet – zu satt sind alle. Die Worte sind gewechselt, die Mägen gefüllt, nun ruft die Bewegung und schließlich das Bett.






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