"Night Safari" oder "Eine Nacht im Zoo"

Vor 20 Jahren habe ich zum ersten Mal gehört, dass man nachts in den Zoo gehen kann. Das war etwas, was ich mir als braver Deutscher nie hätte vorstellen können: wenn das Kaufhaus um 18:00 schließt, kann der Zoo ja nicht geöffnet haben. Die Tiere müssen ja schließlich auch mal Feierabend haben.

In Singapur geht man mit diesem Thema etwas lockerer um, daher gibt es dort eine Night Safari. Wir haben uns das 2004 einmal angeschaut und waren total begeistert. Interessanterweise hat Taiping auch eine Night Safari, die bei weitem nicht so viel bietet wie Singapur, aber es ist immer wieder schön, eine Nacht im Zoo zu verbringen.

Heute war es wieder einmal soweit. Es war nicht zu warm und viel wichtiger, es war kein Regen angekündigt. Die Tore öffnen kurz nach 20:00, und die seniorenfreundliche Politik Malaysias gibt für Senioren über 60 Jahre 50% Preisnachlass. Und das sogar für Ausländer!

Eine Night Safari ist aus mehreren Gründen interessant. Nach 20:00 Uhr ist es deutlich kühler, und man kann Tiere beobachten, die tagsüber nicht aktiv sind, sondern sich irgendwo versteckt zum Schlafen zurückziehen. So zumindest die Theorie.

Abenteurer auf der Suche nach dem Adrenalin-Kick

Voller Vorfreude betreten wir das Gelände durch das Eingangstor. Der Parkplatz ist leer, höchstens zwei Dutzend Menschen mögen sich auf dem Gelände befinden – zu sehen ist niemand. Wir sind völlig allein. Die Wege sind nur spärlich beleuchtet wie in der Nachkriegszeit. In meinen Gedanken taucht der Begriff „Jurassic Park“ auf. Wer schon einmal im Dunkeln durch einen Wald gegangen ist, weiß vielleicht, was ich meine.

Die Sonne ist bereits vor zwei Stunden untergegangen, und es ist extrem schwül. Kein Lüftchen regt sich. Obwohl wir uns kaum bewegen, sind wir schon nach wenigen Minuten schweißgebadet. Zum Glück haben wir beim Mückenschutz nicht gespart – kein Blutsauger wagt es, uns zu stechen.

Im deutschen Wald herrscht oft Ruhe. Im Regenwald ist es laut – eine Kakophonie unterschiedlichster Geräusche. Dennoch horcht man immer wieder in die Dunkelheit, versucht zu erkennen, was sich dort verbirgt. Das Rascheln der Blätter deutet auf Bewegung hin. Eine Ratte? Ein Vogel? Ein Reptil? Oder vielleicht doch eine Raubkatze? Man weiß es nicht.

Die Gehege sind unterschiedlich stark beleuchtet. Um ein Tier zu sehen, muss man sehr genau hinschauen. Manchmal erkennt man die Gefahr zu spät: Man steht am Zaun, schaut in die Dunkelheit – und erst nach ein, zwei Minuten bemerkt man das Krokodil, das fast direkt vor den eigenen Füßen liegt.

Jurassic Park lässt grüßen

Weiter geht es durch dunkle Gassen. Der Weg ist oft kaum zu erkennen. Unebenheiten können Steine, schlängelnde oder kriechende Tiere sein. Zum Glück kommen die Terrarien mit den Schlangen erst gegen Ende des Rundgangs – andernfalls würde das Herz noch schneller schlagen. Große Vögel, etwa von Entengröße, fliegen tief durch die Nacht über unsere Köpfe hinweg. Man kann nur hoffen, dass sie besser sehen als wir.

Nein, das die Blätter haben keine Augen und Zungen!

Der Besuch im Zoo bei Nacht hat etwas ganz Besonderes. Wer so etwas noch nie erlebt hat, sollte es unbedingt einmal tun.

Der Zoo von Taiping ist nicht sehr groß und in einem eher traurigen Zustand. Die Gehegen sind vielleicht nicht immer artgerecht.  Als wir den Zoo verlassen, frage ich mich: Braucht es heutzutage eigentlich noch Zoos?

Wäre es nicht informativer, wenn man Dokumentationen über das Leben der Tiere in ihrer natürlichen Umgebung auf einer großen Leinwand sähe – oder in 3D, mit modernen Virtual-Reality-Brillen, als wäre man selbst mitten unter ihnen?

Und was ist mit den Tieren? Unwillkürlich muss ich an unsere Veranstaltung zum Wohnen im Alter denken: 90 % der Senioren wollen nicht im Altersheim enden.

Mehr Fotos gibt es HIER

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