Ein verspätetes Geburtstagsgeschenk

Seit unserer Ankunft gehören zwei große Aufgaben zu unseren wichtigsten Zielen: ein Auto zu kaufen und ein Haus zu mieten oder zu kaufen. Die einfachere und angenehmere Aufgabe war eindeutig der Autokauf.

Bereits in Herrsching hatte ich mir Gedanken gemacht, welches Fahrzeug geeignet sein könnte. Mein Traum war ein BMW – doch aufgrund des hohen Preises (stark besteuert als Luxusgut) und des oft schlechten Straßenzustands kam dieser nicht infrage. Das Auto sollte technologisch modern sein und über wichtige Assistenzsysteme verfügen, die für Senioren hilfreich sind. Es sollte robust gebaut sein, um den teilweise schlechten Straßenverhältnissen standzuhalten, und einen hohen Marktanteil haben, um einen guten Wiederverkaufswert zu gewährleisten.

So blieben letztlich nur Toyota oder Honda als Optionen.

Im Familien- und Freundeskreis wurde das Thema lebhaft und kontrovers diskutiert. In Asien geht man solche Entscheidungen etwas anders an, als ich es aus Europa gewohnt bin. Das persönliche Netzwerk sowie die bisherigen Erfahrungen mit einem bestimmten Händler oder Handwerker sind oft entscheidender als die Marke selbst.

Zum Glück gelang es uns, über Kontakte einen verlässlichen Händler für eines der Modelle zu finden – der Deal war dann schnell abgeschlossen. Das Auto wird in zehn Tagen zugelassen und versichert geliefert.

Wer jedoch denkt, damit sei alles erledigt, irrt sich: Die wichtigste Frage war noch offen – welches Nummernschild soll das Auto bekommen?Vor allem die älteren Schwestern zeigten dabei eine beeindruckende Diskussionsfreude.

Malaysische Kennzeichen bestehen aus drei Buchstaben und vier Ziffern. Die Buchstaben hängen vom Bundesstaat ab und werden fortlaufend vergeben. In unserem Bundesstaat Perak ist derzeit die Kombination „ANW“ aktuell – für uns akzeptabel, auch wenn es Teil des Namens des amtierenden Premierministers Anwar ist.

Komplizierter wurde es bei der Nummer, die normalerweise ebenfalls fortlaufend vergeben wird – es sei denn, man kauft sich eine spezielle Kombination, was mitunter sehr teuer sein kann. Christinas Vater hatte sich vor Jahren das Kennzeichen „ANG 9999“ gesichert: „ANG“ ist der Familienname, und die „9“ steht für „langes Leben“. Das dürfte ein kostspieliger Wunsch gewesen sein.

Die Schwestern wollten auf keinen Fall eine „4“ oder „7“ im Kennzeichen. Andere warnten sogar vor einem spürbaren Wertverlust beim Wiederverkauf – „das kauft kein Chinese“. Uns war das egal.

Glücklicherweise war der Verkäufer sehr hilfsbereit. Im Internet lässt sich live verfolgen, welche Nummer gerade an der Reihe ist. Er wartete so lange, bis eine Kombination ohne „4“ und mit einer „7 in akzeptabler Form“ verfügbar war – dann ließ er das Auto zu.

ANW 5733





Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Michelle & Kanghee: Ein Versprechen für die Ewigkeit

Von vertrauten Ufern ins Ungewisse

Ein Nachmittag in der Durian-Plantage