Umstellungen

Die ersten Tage sind immer wie ein Gehen auf dünnem Eis. Schritt für Schritt vortasten, Risiken vermeiden. Nach ein bis zwei Tagen macht sich ein Urlaubsgefühl breit. Klar, bisher war Taiping immer Urlaub oder Familienbesuch übers Wochenende. Doch jetzt ist es anders. Es soll sich einmal anfühlen wie "zu Hause". Aber das ist noch nicht einmal am Horizont zu sehen.

Die Zeitumstellung kommt immer zuerst. Bereits wenn der Flieger abhebt, stelle ich mein Telefon auf die neue Zeitzone um. Momentan sind es 6 Stunden Unterschied, d.h. man kommt abends an, aber Kopf und Körper sind noch beim Mittagsschlaf. Nach einer Woche hat sich das erledigt.

Es ist bei weitem nicht so schlimm wie die jährliche Umstellung auf Sommerzeit in Deutschland. Sommerzeit gibt es hier auch nicht, da die Sonne immer zwischen 7:00 und 7:25 aufgeht, und der Tag ca. 12:00 - 12:20 Stunden lang ist. Verwirrender ist es, dass die Sonne mnachmal aus dem Süden, und manchmal aus dem Norden scheint!

Merkt man die Wirkung der Zeitumstellung erst einige Stunden später, so wird die Klimaumstellung sofort spürbar. Die Türen aus dem Flughafengebäude sind gleichzeitig die Türen in die "Sauna". Spätestens im Parkhaus versagt jedes Deodorant. Als wir ankamen, war es früher Abend und nur noch 29°C, aber eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, insbesondere nach einem Regen. Die starke Hitze während des Tages sollte man vermeiden, denn die Sonne brennt schon stark und an Radeln oder Wandern ist nicht zu denken. Aber dazu später mehr.

Eine ganz subtile Umstellung ist die "kulturelle" Umstellung. Ich benötige immer 2-3 Tage, um mich an andere Standards zu gewöhnen,nicht jedesmal zu denken "was ist das denn?" oder "so ungepflegt". Es ist nicht alles so perfekt wie in Deutschland, nicht so sauber. Das Personal in den Geschäften oder Banken ist deutlich hilfsbereiter, aber es fehlt oft das Verständnis für das Anliegen. Auch ist Geduld eine Tugend von größerer Wichtigkeit. Hier ist Loslassen angesagt, weniger Perfektion erwarten und mehr Zufriedenheit mit dem, was man vorfindet. 

Zum Schluß die Verkehrsumstellung. Es fängt beim Linksverkehr an, wenn man sich wundert, dass beim Öffnen der Fahrertür kein Lenkrad vorzufinden ist, weil die Fahrertür natürlich auf der rechten Seite ist, und beim Betätigen des Blinkers geht überraschenderweise immer der Scheibenwischer an. Das sind die Kleinigkeiten. 

Für anfängliches Unbehagen sorgt auch der Fahrstil der meisten Auto- und Motorradfahrer. Ich bezeichne es gerne als "Freistil", weil er ziemlich frei von "gelebten" Regeln ist. Überholt wird links und rechts. Beliebt ist auch das Abbiegen nach links von der rechten Fahrspur. Eine Spitzenleistung hingegen ist die Fähigkeit, mit der sich Motorradfahrer durch die kleinsten Lücken zwängen, und das nicht nur bei stehendem Verkehr an der Ampel. Hier wird klar, dass der praktischen Fahrausbildung in Malaysia deutlich mehr Raum gegeben wird als der theoretischen. 

Hier sind einige Bilder, die mich aktiv bei der Umstellung auf das Neue zeigen:

Total erschöpft nach 2 km um den See gehen.

Kuscheln mit dem Tausendfüßler beim morgendlichen Berglauf.

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