Ein Abgesang: TUI's Blues

Mit TUI verbindet mich eine ganz persönliche Geschichte. Kurz nach dem Studium hatte ich das Glück, über Restpostenregelungen TUI-Reisen für nur 20 % des Listenpreises zu bekommen – ein Angebot für Mitarbeiter. So führte mich 1984 meine erste Reise nach Asien nach Phuket. Genau dorthin, wo ich heute, rund 40 Jahre später, erneut bin.

TUI war danach lange nicht mehr mein Reisestil. Erst unsere Kreuzfahrt mit MeinSchiff hat mich wieder überzeugt: durchdacht, gut organisiert, einfach stimmig. Umso überraschter waren wir, als wir erfuhren, dass es in unserer Nähe ein Hotel der Marke „TUI BLUE – Hotels designed for you“ gibt. Laut Beschreibung richtet sich diese Marke "an Individualreisende, die ein authentisches Urlaubserlebnis suchen – mit moderner Atmosphäre, hochwertiger Ausstattung und regionalem Einfluss in Design und Küche".

Blick aus einem Apartment auf Lagune und Infinity-Pool. Rechts ist einer der drei Wohntürme.

Genau das klang nach uns. Also planten wir auf der Rückreise von Kelantan einen Stopp ein. Doch es kam anders als erwartet.

Fangen wir mit dem Positiven an: Das Werbefoto zeigt einen traumhaften Infinity-Pool an einer kleinen Lagune – oder wie wir in Bayern sagen würden: einem Teich – eingerahmt von steil aufragenden, grün bewachsenen Sandsteinfelsen. Ein fast magischer Anblick.

Was das Foto nicht zeigt: Direkt an dieser Lagune stehen drei 22-stöckige Wohntürme. Wer München kennt, dem sei gesagt: Sie erinnerten mich stark an Neuperlach. Nicht gerade charmant. Das „Hotel“ selbst entpuppt sich als schlichter Vorbau als Rezeption – von dort aus werden Apartments aus den Wohntürmen als Hotelzimmer vermietet. Airbnb à la TUI.

Ein Schild an der Rezeption warnt vor möglichen WLAN-Ausfällen. Die Ursache liege beim externen Anbieter, natürlich nicht bei TUI. Das stimmt wohl: Das WLAN funktioniert nur sporadisch, Mobilfunkempfang ist ebenfalls dürftig – vergleichbar mit dem Funkloch an der Zonengrenze in Niederbayern.

Schon beim Check-In werden, wir gefragt, in welchem Zeitfenster wir während unseres Aufenthaltes frühstücken wollten. Frühstück mit Zeitslot – Planwirtschaft lässt grüßen. Wir entschieden uns für die erste Runde um 7:30. Zum Glück, denn ab 7:45 bricht die Schlacht am kalten Büffet aus.

Der Zugang zu den Apartments: trostlos. Wie in vielen Hochhäusern – ob in Malaysia oder eben Neuperlach. Das Apartment selbst ist großzügig und modern, mit riesigem Wohnzimmer und komplett ausgestatteter Küche. Allerdings darf man sie nur nutzen, wenn man mindestens sieben Nächte bleibt.

Der Infinity-Pool ist tatsächlich wunderschön – im Schatten der Wohntürme gelegen, was bei tropischer Sonne angenehm ist. Dank Glaswand zur Lagune kann man wie im Aquarium den Schwimmern zusehen. Leider gibt es nur zehn Sonnenliegen, aus zwei Duschen tröpfelt gelegentlich Wasser. Ich entschiede mich letztlich gegen ein Bad – bei dem Gedanken an das womöglich schweißgetränkte Wasser vergeht mir die Lust.

Fazit: TUI BLUE ist für uns leider nur ein trauriger Blues. Wir bleiben lieber bei MeinSchiff – da wissen wir, was wir haben.

(c) Expedia: "Für Individualreisende, die ein authentisches Urlaubserlebnis suchen."
Die beiden Gebäude rechts und links von der Mitte sind Parkhäuser.



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