Zwischen Erinnerung und Alltag – ein Halt am Taiping War Cemetery
In meiner Jugend war Kriegsgräberfürsorge ein allgegenwärtiges Thema – in den Medien ebenso wie in der Schule. Gedenkveranstaltungen, Dokumentationen, Mahnmale: Sie lenkten unseren Blick auf die Schlachtfelder Europas. Dabei geriet leicht in Vergessenheit, dass der Zweite Weltkrieg weit über die Grenzen Europas hinausging – ein globaler Konflikt mit Spuren in allen Teilen der Welt.
Malaya, wie Malaysia damals hieß, stand zwischen Dezember 1941 und September 1945 unter japanischer Besatzung. Was viele nicht wissen: Bei der Verteidigung und Rückeroberung verloren schätzungsweise 120.000 alliierte Soldaten ihr Leben oder gelten bis heute als vermisst. Eine Zahl, die selten Erwähnung findet.
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| Taiping Soldatenfriedhof: Blick auf einen Teil der nicht-christlichen Gräber |
Ich lebe heute hier. Und jedes Mal, wenn ich zu meiner Bergwanderung aufbreche, führt mein Weg am Taiping War Cemetery vorbei. Ich rausche vorbei – ein paar Sekunden Blick aus dem Autofenster. Doch ein Gedanke bleibt. Heute haben wir angehalten.
Der Friedhof liegt ruhig am Rand der Straße, in ausgezeichnetem Zustand. Betreten konnten wir ihn nicht, aber ein Blick über die Mauer genügte, um innezuhalten. Er ist vergleichsweise klein – nicht wie die weiten Felder der Soldatenfriedhöfe in Nordfrankreich. Ich muss an die Gedenktafeln in den bayerischen Dorfkirchen denken, wo die Namen der Gefallenen aus den Kriegen 1870/71, Erster und Zweiter Weltkrieg aufgelistet sind.
Links der Straße: die Gräber nicht-christlicher Gefallener, größtenteils Soldaten aus indischen Regimentern. Viele ihrer Grabsteine tragen keine Namen – nur die schlichte Inschrift: "A Soldier of the Indian Army". Wenige verzeichnen Alter oder Herkunft. Es ist ein stummes Zeugnis jener, die fern der Heimat kämpften und starben.
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| "A Soldier of the Indian Army" |
Rechts der Straße: die Gräber christlicher Soldaten, meist Briten. Auch hier: Namen, Alter, Regiment. Alles still.
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| Blick auf den christlichen Teil des Soldatenfriedhofes |
Kriege hinterlassen nicht nur Narben in der Geschichte, sondern auch stille Orte wie diesen. Orte, die uns erinnern, dass Frieden nicht selbstverständlich ist.
Auch ein sonniger Tag vermag nicht immer, die Schatten der Vergangenheit zu erhellen. Manchmal reicht ein kurzer Halt am Wegesrand, um sie ins Bewusstsein zu bringen.



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