Welten der Erinnerung und letzten Ruhe

Wenn wir an Südostasien denken, entstehen in unseren Köpfen schnell Bilder von Sonne, Stränden und exotischer Farbenpracht. Es sind Assoziationen von Leben, Leichtigkeit und Urlaub. Doch gerade dort, wo das Leben in so leuchtenden Tönen erscheint, liegt auch der Tod nicht fern. Abseits der touristischen Pfade eröffnen sich Welten, die selten Teil unserer Wahrnehmung sind – Welten der Erinnerung, der Rituale und der letzten Ruhe.

Meine eigene Aufmerksamkeit für dieses Thema wurde auf denkbar profane Weise geweckt – während einer langen Fahrt auf einer malaysischen Autobahn. Dort standen riesige Werbetafeln mit Namen wie „Nirwana Malaysia“, „Heaven Funeral Care“ oder „Happy Park Cemetery“. Zunächst wirkten sie beinahe surreal in ihrer fröhlichen Bildsprache, doch sie warben für ganz reale Orte: kommerzielle Bestattungsunternehmen, wie wir sie auch in Europa kennen – mit einem Unterschied. Hier betreiben sie nicht nur Trauerhallen, sondern auch Friedhöfe und Kolumbarien, in denen Urnen aufbewahrt werden.

Eingang zu "Garden of Paradise memorial estate"

Bereich zur Aufbahrung und Verabschiedung

Besonders auffällig ist in Südostasien die religiöse Ordnung dieser Begräbnisstätten. Während in Europa Friedhöfe meist für Angehörige verschiedener Glaubensrichtungen offenstehen, zeigt sich hier eine klare Trennung: muslimische, christliche, hinduistische, buddhistische und chinesische Friedhöfe existieren nebeneinander. Oft verschwimmen dabei religiöse Zugehörigkeit und kulturell-ethnische Identität. Schon ein Blick auf die Namen der Ruhestätten verrät diese Vielfalt: „Han Chinese Cemetery“, „Happy Park Christian Cemetery“, „Islamic Cemetery at Malay Mosque Taiping“, „Protestant Cemetery“ oder „Taiping Hindu Mayanam“. Es sind nicht nur Orte der Bestattung, sondern auch Spiegel gesellschaftlicher Ordnung.

Die folgenden Fotos sind vom "Greeneries Memorial Park", der zwei Friedhofsbereiche für Hokkien und Cantonese Chinesen umfasst. Hokkien und Cantonese sind zwei Dialekte und Kulturen aus China.

Greeneries Memorial Park

Greeneries Memorial Park

In dieser Woche besuchten wir die Ruhestätte der Familie meiner Frau. Ihre Eltern und Großeltern wurden dort beigesetzt – ihre Asche ruht in Urnen, eingebettet in die Wände eines buddhistischen Kolumbariums. Dieser Ort gehört zu einer Klosteranlage, in der Mönche leben, Rituale durchführen und die spirituelle wie auch bauliche Pflege der Anlage übernehmen.

Der Geruch von Räucherwerk liegt in der Luft, zwischen den Mauern herrscht eine fast greifbare Stille – und doch spürt man hier etwas Tröstliches: eine Form von Fürsorge, die über den Tod hinausreicht.

Taiping Buddhist Society:
Zeremonienbereich mit Blick ins Kolumbarium

Taiping Buddhist Society:
Im Innern des Kolumbariums

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