Herrschinger Luft

Es war der 23. Mai, als die Männer mit den kräftigen Armen und den Kartons kamen, unser Hab und Gut sorgsam verpackten – und damit verschwanden. Seitdem lebten wir aus den Koffern, mit dem Nötigsten, ab August schließlich in einem Ferienhaus. Doch es war noch kein Zuhause.

Die Verschiffung dauerte länger als gedacht. Wir konnten unsere Ladung erst aus Deutschland abrufen, als wir endlich eine Lieferadresse vorweisen konnten. Die Vorstellung, dass die Kartons herrenlos im Hafen oder beim Zoll herumstehen, ließ uns vorsichtig und unruhig werden. Dann kam noch die Verspätung des Schiffes hinzu. Und der Zoll weigerte sich hartnäckig, unsere Erdinger-Flaschen freizugeben. Doch nach und nach lösten sich alle Hindernisse.

Halbzeit. 

Gestern, nach 126 Tagen, war es endlich so weit: Unsere Kartons trafen ein – und mit ihnen zog ein Hauch Herrschinger Luft in unser neues Zuhause. Es waren zwar „nur“ etwa 30 Kisten, doch das Auspacken wurde schnell zu einer schweißtreibenden Aufgabe. Es ist nicht entschieden, ob wir mehr ins Schwitzen kamen oder die Klimaanlage. Der Rücken meldete sich früh, und am Abend half nur eine Behandlung mit Erdinger und Diclofenac.

Aber das Ergebnis ist überwältigend: Nie zuvor hat mich der Anblick einer gefüllten Besteckschublade so beglückt. Endlich wieder unser Zuhause.


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