Müll: es stinkt zum Himmel

Wer als Ausländer nach Deutschland zieht, stößt unweigerlich auf zahlreiche bürokratische Hürden. Eine davon heißt schlicht: Müll. Wer aus einem nicht-europäischen Land kommt, kennt oft keine organisierte Müllabfuhr – Abfälle landen im Fluss oder im Meer, Papierkörbe im öffentlichen Raum sind die Ausnahme. Für Deutsche dagegen gehören Fragen wie „Wie trenne ich den Müll richtig? In welche Tonne gehört was? Was ist ein Wertstoffhof? Wann kommt die Müllabfuhr? Darf ich mein altes T-Shirt in die Kleidersammlung geben?“ zu den großen Alltagsproblemen. Im Ausland erntet man dafür meist nur verständnisloses Kopfschütteln.

In unserer neuen Heimat dagegen stellen sich ganz andere Fragen: Wie verhindere ich, dass der Biomüll in der tropischen Hitze unerträglich stinkt? Wie sorge ich dafür, dass die Affenbande die Mülltonne nicht umkippt und den Vorgarten verwüstet? Wohin mit einer alten Batterie oder einem defekten Telefon?

Hier gibt es eine einzige Tonne für alles. Sie wird montags, mittwochs und freitags geleert – häufig genug, damit weder Gerüche noch Affen oder streunende Hunde eine Chance haben. Ungewohnt war für uns der Zeitpunkt: In der ersten Woche stellten wir den Müll brav am Montagmorgen hinaus – und fanden ihn am Nachmittag verstreut im Vorgarten wieder. Bald erfuhren wir: Die Müllabfuhr kommt zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens. Seither bringen wir die Tonne am Vorabend hinaus. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass im Dunkeln auch die Affen meist schlafen. Seitdem läuft alles reibungslos. Mülltrennung? Fehlanzeige. Sperrmüll? Bisher nicht angefallen.

Und dann wäre da noch die europäische Elektroschrottverordnung. Malaysia und andere Länder des globalen Südens bedanken sich artig für diese Entwicklungshilfe. Denn die europäischen Entsorger honorieren jeden, der den giftigen Schrott übernimmt – samt dubiosen Entsorgungszertifikat, das oft ungeprüft per Fax eingeht und abgeheftet wird. Das erinnert fatal an importierten Atomstrom oder Autobatterien, wo der Dreck für die sauberen E-Autos draußen vor der Tür bleibt.

Erst letzte Woche berichtete die Presse von fünfzig illegalen Elektroschrott-Deponien in Malaysia. Ein freundlicher Gruß der hiesigen Müllmafia an den europäischen Umweltschutz.

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