Dobi – Wo die Wäsche Geschichten erzählt
Eine der unscheinbarsten, aber dennoch wichtigsten Tätigkeiten im Leben ist das Waschen schmutziger Wäsche. Zu Hause denkt man kaum darüber nach: Tür auf – Wäsche rein – Tür zu – Knopf drücken – und nach einer Stunde duftet alles frisch.
Doch wenn man – wie wir – längere Zeit im Hotel lebt, wird plötzlich aus dem Selbstverständlichen eine Frage mit Gewicht: Wie wäscht man eigentlich seine Wäsche?
Die möglichen Antworten lagen schnell auf der Hand:
- Hotelservice – zu teuer.
- Waschsalon – günstiger, aber nicht wirklich verlockend.
- Dobi-Service – das klang spannend.
Ein “Kedai Dobi”, wie die Malaysier sagen, ist eine traditionelle Wäscherei, in der man seine Kleidung abgibt und sie am nächsten Tag sauber und gebügelt wieder abholt. Eigentlich nichts Besonderes – so etwas gibt es in Europa schließlich auch. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt viele kleine Unterschiede, die den Charme dieser einfachen Dienstleistung ausmachen.
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| Unscheinbar in einem grauen Haus |
In Deutschland ist eine Wäscherei meist ein sauberer, klimatisierter Raum mit glänzenden Maschinen und Duft nach Waschmittel aus der Werbung.
Hier hingegen wirkt der Laden eher wie eine Garage: ein paar Regale, ein Ventilator an der Decke, draußen flatternde Hemden in der Sonne. Das Wasser wird nicht erhitzt – wozu auch, es kommt ohnehin lauwarm aus der Leitung. Getrocknet wird unter freiem Himmel, was Strom spart. Und das Bügeln? Von Hand, mit Hingabe.
Das Ergebnis: erstaunlich gut – und unschlagbar günstig. Ein Kilogramm Wäsche kostet rund 90 Cent. Für Hemden zahlt man ebenfalls 25 Cent pro Stück. Zum Vergleich: In der Schweiz hat derselbe Service schon vor zwanzig Jahren 3,50 € gekostet.
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| Man sollte darauf achten, wo die Wäsche getrocknet wird |
Seitdem wir diesen Service entdeckt haben, möchten wir ihn nicht mehr missen. Eine eigene Waschmaschine zu kaufen, kam gar nicht in Frage – das würde sich niemals lohnen. Und mein Rücken bedankt sich, dass ich mich nicht mehr ständig bücken muss.
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| Wäscheständer der besonderen Art. |
Wenn man durch die Stadt fährt, sieht man überall Wäsche – flatternd auf Leinen, aufgehängt in der Sonne, aufgehäuft in Körben vor kleinen Läden. Die „Dobi“ gehört hier einfach zum Alltag, so selbstverständlich wie der Duft nach Nasi Lemak am Morgen. Und irgendwo zwischen all den flatternden Hemden und dampfenden Bügeleisen lernt man, dass auch Wäschewaschen eine kleine kulturelle Entdeckungsreise sein kann.




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