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Deepavali - ist ein freudiges Lichterfest

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Was für uns Christen das Weihnachtsfest ist, ist für die Hindus Deepavali.  Es wird als „Fest des Lichts“ gefeiert und symbolisiert den Sieg des Guten über das Böse, des Lichts über die Dunkelheit und des Wissens über die Unwissenheit. Dieses Jahr war es am 20. Oktober. Deepavali ist ein "gesetzlicher" Feiertag, nicht mit einem Feiertag in Deutschland zu vergleichen. Es wird gearbeitet, Geschäfte sind geöffnet. Nur Ämter und große Unternehmen geben ihren Arbeitnehmern frei. Das Fest dauert meist fünf Tage und fällt nach dem hinduistischen Mondkalender in den Oktober oder November. Wie Weihnachten ist Deepavali ein Familienfest. Häuser und Tempel werden mit Öllampen (Diyas), Kerzen und bunten Lichterketten geschmückt. Menschen reinigen ihre Häuser, tragen neue Kleidung, beten zu Lakshmi, der Göttin des Wohlstands, und veranstalten Festessen und teilen Süßigkeiten mit Familie und Freunden.  Wir waren bei unseren indischen Freunden aus der Gin Rummy Runde zu Gast. Es war ein frö...

Dobi – Wo die Wäsche Geschichten erzählt

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Eine der unscheinbarsten, aber dennoch wichtigsten Tätigkeiten im Leben ist das Waschen schmutziger Wäsche. Zu Hause denkt man kaum darüber nach: Tür auf – Wäsche rein – Tür zu – Knopf drücken – und nach einer Stunde duftet alles frisch. Doch wenn man – wie wir – längere Zeit im Hotel lebt, wird plötzlich aus dem Selbstverständlichen eine Frage mit Gewicht: Wie wäscht man eigentlich seine Wäsche? Die möglichen Antworten lagen schnell auf der Hand: Hotelservice – zu teuer. Waschsalon – günstiger, aber nicht wirklich verlockend. Dobi-Service – das klang spannend. Ein “Kedai Dobi”, wie die Malaysier sagen, ist eine traditionelle Wäscherei, in der man seine Kleidung abgibt und sie am nächsten Tag sauber und gebügelt wieder abholt. Eigentlich nichts Besonderes – so etwas gibt es in Europa schließlich auch. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt viele kleine Unterschiede, die den Charme dieser einfachen Dienstleistung ausmachen. Unscheinbar in einem grauen Haus In Deutschland ist eine Wäscherei...

Herrschinger Luft

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Es war der 23. Mai, als die Männer mit den kräftigen Armen und den Kartons kamen, unser Hab und Gut sorgsam verpackten – und damit verschwanden. Seitdem lebten wir aus den Koffern, mit dem Nötigsten, ab August schließlich in einem Ferienhaus. Doch es war noch kein Zuhause. Die Verschiffung dauerte länger als gedacht. Wir konnten unsere Ladung erst aus Deutschland abrufen, als wir endlich eine Lieferadresse vorweisen konnten. Die Vorstellung, dass die Kartons herrenlos im Hafen oder beim Zoll herumstehen, ließ uns vorsichtig und unruhig werden. Dann kam noch die Verspätung des Schiffes hinzu. Und der Zoll weigerte sich hartnäckig, unsere Erdinger-Flaschen freizugeben. Doch nach und nach lösten sich alle Hindernisse. Halbzeit.  Gestern, nach 126 Tagen, war es endlich so weit: Unsere Kartons trafen ein – und mit ihnen zog ein Hauch Herrschinger Luft in unser neues Zuhause. Es waren zwar „nur“ etwa 30 Kisten, doch das Auspacken wurde schnell zu einer schweißtreibenden Aufgabe. Es ist n...

Müll: es stinkt zum Himmel

Wer als Ausländer nach Deutschland zieht, stößt unweigerlich auf zahlreiche bürokratische Hürden. Eine davon heißt schlicht: Müll. Wer aus einem nicht-europäischen Land kommt, kennt oft keine organisierte Müllabfuhr – Abfälle landen im Fluss oder im Meer, Papierkörbe im öffentlichen Raum sind die Ausnahme. Für Deutsche dagegen gehören Fragen wie „Wie trenne ich den Müll richtig? In welche Tonne gehört was? Was ist ein Wertstoffhof? Wann kommt die Müllabfuhr? Darf ich mein altes T-Shirt in die Kleidersammlung geben?“ zu den großen Alltagsproblemen. Im Ausland erntet man dafür meist nur verständnisloses Kopfschütteln. In unserer neuen Heimat dagegen stellen sich ganz andere Fragen: Wie verhindere ich, dass der Biomüll in der tropischen Hitze unerträglich stinkt? Wie sorge ich dafür, dass die Affenbande die Mülltonne nicht umkippt und den Vorgarten verwüstet? Wohin mit einer alten Batterie oder einem defekten Telefon? Hier gibt es eine einzige Tonne für alles. Sie wird montags, mittwochs ...

Eine Zeitreise: beim Friseur

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Die Zeit verrinnt – und mit ihr wächst das Haar unaufhörlich weiter. Es ist wieder so weit: ein Besuch beim Friseur. In Malaysia sind es seit jeher die indischen oder sri-lankischen Barbiere, die das Handwerk beherrschen. Ich habe sie alle ausprobiert: die traditionsbewussten Inder, die modernen, aufgestylten chinesischen Salons. Doch am Ende zieht es mich immer wieder zu den Indern zurück. Früher war ich einfach in den kleinen Salon gleich neben meinem Hotel gegangen. Bequem, vertraut, unspektakulär. Aber heute überkommt mich der Wunsch, einen anderen aufzusuchen. Vor zehn Jahren war ich einmal in dem Salon eines älteren Herrn – er schnitt nicht nur, er rasierte auch. Ein Handwerker alter Schule. Ob er wohl noch arbeitet? Ein kurzer Blick ins Internet, und tatsächlich: den „Salon Ruby“ gibt es noch. Nur die Adresse hat sich geändert. Ist er es noch – oder ist er längst im Ruhestand? Salon Ruby Hier nimmt man keine Termine. Man geht hinein, schaut, ob Platz ist, wartet – oder kommt wie...

Angriff im Morgengrauen

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Der Tag begann so harmlos. Um sieben riss mich der Wecker aus dem Schlaf – Zeit für meinen Berglauf in der klaren Morgenluft. Doch bevor ich losging, setzte ich mich mit einer Tasse Kaffee an den Tisch und blickte hinaus auf die Terrasse. Morgens um 7: kühle Bergluft und entspannendes Grün Plötzlich – ein Rascheln. Ein heftiges Schwingen der Äste. Aber kein Wind regte sich. Ich trat näher ans Fenster. Zwei junge Affen huschten über die Zweige. Nichts Besonderes, dachte ich, die Kleinen tollen hier öfter herum. Doch dann tauchten weitere auf. Drei. Vier. Immer mehr. Zum Knuddeln Die Jungen waren nur die Vorhut. Harmlos und putzig. Aber bald zeigten sich auch die Großen. Sie hockten auf den Ästen, starrten mich an – reglos, wachsam. Immer wieder sprang einer auf, schwang sich ein Stück näher, als wolle er den Abstand verkürzen. Ein Bild aus dem Western, den wir gestern gesehen hatten, schoss mir durch den Kopf: Weiße Siedler in ihrer einsamen Farm, umzingelt von Indianern, die kreischend...

Merdeka Day in Malaysia: Ein Fest der Freiheit & Einheit

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Wir nähern uns dem Merdeka Day , dem Tag der Freiheit und Unabhängigkeit. Jedes Jahr am 31. August erstrahlt Malaysia in einem Meer von Flaggen und Patriotismus – zur Feier der Unabhängigkeit der Halbinsel Malaya  von der britischen Kolonialherrschaft im Jahr 1957.  Interessanterweise ist 1957 mein Geburtsjahr und 1963 das meiner Frau. Ist das Zufall oder Fügung? Wichtig zu wissen : Das ist nicht der Tag der Staatsgründung. Malaysia selbst wurde erst am 16. September 1963 gegründet, als sich Malaya, Singapur, Sabah und Sarawak zusammenschlossen. Dieser Tag wird als Malaysia Day  gefeiert. © www.postermywall.com Merdeka ist weit mehr als nur ein Datum im Kalender – es ist ein Tag voller Stolz, Freude und Zusammengehörigkeit. Schon Wochen vorher taucht überall die Nationalflagge, der Jalur Gemilang („glorreiche Streifen“), auf: an Autos, Gebäuden und sogar in kleinen Cafés. Ganze Stadtviertel sind festlich geschmückt, Schulen und Einkaufszentren in Rot, Weiß, Blau und Gelb...